Nachbericht & Kommentar

Nachbericht & Kommentar

Die Trainer und der Pressesprecher nach dem Spiel auf der PK
Augsburgs Trainer Manuel Baum (links) und Leverkusens Heiko Herrlich (rechts) bei der Pressekonferenz nach dem Spiel. Foto: Jasper Witkowski

Alario erlöst engagierte Leverkusener

von Erik Koch

Neun Punkte vor der Winterpause wünschte sich Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler nach dem Remis gegen Nürnberg am vergangenen Montag. Neun Punkte aus vier Spielen, ein Ding der Möglichkeit. Allerdings heißen die nächsten drei Gegner Frankfurt, Schalke und Hertha. Da fallen die drei Punkte, die sich die Werkself im eigenen Stadion gegen den FC Augsburg mit 1:0 erkämpfen konnte, umso mehr ins Gewicht.

Leverkusen dominiert, Augsburgs Konter fallen flach

Bei bestem Fußballwetter mussten sich die 25.500 Zuschauer in der BayArena ziemlich lange bis zum erlösenden Treffer gedulden. In der ersten Halbzeit bestimmten die Hausherren in Schwarz-Rot das Spiel und ließen den Gästen kaum Konterchancen. In der 25. Minute schießt ein fleißig auftretender Aranguiz einen Freistoß aus 20 Metern, der Ball geht aber knapp am linken Pfosten vorbei.

Hart im nehmen: Augsburgs Keeper Luthe verletzt sich bei einem Zusammenstoß mit Volland an der Zunge, spielt aber weiter und gibt nach dem Spiel sogar noch Interviews. Foto: Jasper Witkowski

Danach dreht Leverkusen weiter auf, in der 32. Minute kommt es zu einer Großchance für Volland, der einem in die Spitze gelegten Ball von Bailey hinterher jagt und ihn nur knapp verpasst. Bei der resultierenden Grätsche nach dem Ball trifft Volland unabsichtlich den Augsburger Keeper Luthe mit dem Knie im Gesicht, der daraufhin erst mal liegen bleibt. Nach ein paar Minuten spielt der aber weiter, als wäre nichts gewesen. Dabei soll er sich bei dem Zusammenprall sogar einen Teil seiner Zunge abgebissen haben.

In der restlichen Zeit der zweiten Halbzeit erspielt sich Leverkusen ein paar weitere Chancen, scheitert aber immer beim Abschluss. Augsburg kann seine Konter nicht richtig nutzen, Finnbogason kommt zu vereinzelten Schüssen, scheitert aber ebenfalls.

Erlösung für Werkself nach 75 Minuten

In der 49. Spielminute nimmt das Spiel an Fahrt auf, als es zur Rudelbildung an der Augsburger Eckfahne kommt, die in einer Gelben Karte wegen Offensivfouls für Bailey resultiert.  Danach gewinnt die Partie deutlich an Intensität, in der 55. Minute kommt es zur Dreifachchance für die Werkself, die die Augsburger Verteidigung aber blocken kann. Den augsburger Konter kann Leverkusens Keeper Hradecky, der insgesamt nicht viel zu tun hatte, abfangen.

In der 72. Minute kommt es zu einem Doppelwechsel bei Bayer, Brandt kommt für Bailey und Alario für Aranguiz. Heiko Herrlichs Riecher für die Einwechslungen machte sich schon

drei Minuten später bezahlt: Der schon vorher für Jonathan Tah eingewechselte Wendell spielt eine lange Flanke von der linken Seite in die Box der Augsburger, wo Bellarabi wartet. Der geht nach einem Zweikampf mit Max zu Boden, Schiedsrichter Dankert lässt aber Vorteil gelten. Lars Bender schaltet schnell, legt den Ball für den in der Mitte des Strafraums stehenden Alario gut vor. Der schließt schnell ab und der Ball landet im Kasten von Augsburgs Torhüter Andreas Luthe. Verdiente Führung für die Werkself und Erleichterung nicht nur bei den Fans: Bender feiert Alarios Treffer, als wäre es sein eigener gewesen.

Die Führung der Leverkusener ließ Augsburg jetzt öfters kommen, da der Mannschaft von Manuel Baum die vierte Niederlage in Folge drohte. In der 81. Minute kam es zu einer guten Chance von Ji Dong-won, der nach einem schönen Hackenpass von Khedira die Latte trifft. In der Nachspielzeit erspielen sich die Gäste dann noch eine gute Doppelchance, der Schuss von Córdova wird abgeblockt, der Nachschuss von Khedira geht knapp am Tor von Hradecky vorbei.

„Es war ein Kampfspiel“

„Wir sind geduldig geblieben und haben dann durch Lucas Alario das Tor erzielt. Es war ein Kampfspiel, der Sieg war wichtig. Unsere Ziele bleiben dieselben“, sagte Leverkusens Trainer Heiko Herrlich nach dem Spiel. Seine insgesamt dominant auftretende Werkself erspielte sich einige Chancen, die diszipliniert spielenden Augsburger verteidigten aber gut. „Man hat gesehen, dass wir das Spiel defensiv angehen wollten, unsere Konter waren aber nicht sauber genug. Das Spiel entwickelte sich in die Richtung eines 0:0, am Ende gab es aber eine ärgerliche Niederlage wegen zu vielen kleinen Fehlern“, äußerte sich Manuel Baum.

Ärgerlich auch deswegen, weil es die vierte Niederlage in Folge für die Augsburger bedeutet. „Wir wissen, wie wir mit der Situation umgehen müssen. Wir werden auch weiterhin nach außen geschlossen auftreten, die Qualität ist im Kader vorhanden. Irgendwann wird der Knoten platzen“, so Baum. Zwei Punkte ist seine Mannschaft nach der Niederlage von den Abstiegsplätzen entfernt. Und wie sieht es bei Leverkusen aus? „Wir werden uns jetzt erstmal auf das Europa-League-Spiel konzentrieren, aber unsere Ambitionen bleiben gleich. Wir versuchen die maximale Punktzahl aus den nächsten Spielen zu holen.“

Die maximale Punktzahl, das wären noch mal neun Punkte. Sechs sind noch nötig um den Wunsch von Rudi Völler zu erfüllen. Mindestens drei Siege aus vier schweren Spielen, das wäre doch ein schönes Weihnachtsgeschenk nicht nur für den Sportdirektor, sondern auch für Klub und Fans.

Leverkusen: Hradecky, Tah (64’ Wendell), Dragovic, L. Bender, Bailey (73’ Brandt), Baumgartlinger, Jedvaj, Aranguiz (73‘ Alario), Havertz, Volland, Bellarabi

Augsburg: Luthe, Gouweeleeuw, Khedira, Baier, Gregoritsch, Finnbogason (62‘ Ji Dong-won), Hahn (82‘ Richter), Caiuby-da Silva (88‘ Córdova), Max, Framberger, Hinteregger

Tore: 75‘ Alario (Vorlage: L. Bender)

Gelbe Karte: 50‘ Bailey, 65‘ Gouweleeuw, 90‘ Richter

 

Ein Sieg zur richtigen Zeit

Ein Kommentar von Luca Schmidt

Heiko Herrlich geht den ersten Schritt in Richtung besinnliche Weihnachten. Seine Mannschaft erkämpft sich ein 1:0 gegen den FC Augsburg und sammelt damit die ersten drei der von Rudi Völler bis zum Jahresende geforderten neun Punkte. Das Ergebnis sorgt für Entspannung und der Anschluss an die obere Tabellenhälfte ist hergestellt. Dennoch bedarf es einer Steigerung der Mannschaft, will man das gesteckte Ziel erreichen und damit mit dem Trainer in die Winterpause gehen. Die am Samstag gezeigte Leistung war engagiert, aber letztendlich nicht zwingend genug. Heiko Herrlichs Werkself kombinierte sich zwar zu 21 Torschüssen, brachte davon aber nur einen einzigen über die Linie. Mit dieser Ineffizienz, die sich auch in der bisherigen Punkteausbeute zeigt, wird es womöglich schwierig werden in den verbleibenden drei Begegnungen.

Eintracht Frankfurt ist eine gefestigte Mannschaft, die in der bisherigen Saison nur zwei Spiele ohne einen eigenen Treffer bestritten hat. Hier wird man sich ärgern, sollte man auswärts zahlreiche Großchancen auslassen. Schalke 04 ist unter ähnlichen Bedingungen in einer vergleichbaren Situation wie Bayer Leverkusen und somit ebenfalls zum Siegen verdammt. Besonders nach dem verlorenen Revier-Derby. Hertha BSC hingegen ist aktuell ein direkter Mitkonkurrent in der sehr engen oberen Tabellenhälfte und wird deswegen nicht mit Motivationsproblemen zu kämpfen haben. Insgesamt zweimal ist die Werkself dabei noch zu Gast in fremden Stadien.

Nun haben die Leverkusener am Samstag bewiesen, dass sie unter Druck abliefern können. Sie haben den Sieg gegen defensive Augsburger erzwungen. Die aufgeführten nächsten Gegner werden nicht alle so tief stehen, wie die Augsburger in Leverkusen, was Bayer entgegen kommen dürfte. Heiko Herrlich tut gut daran, an der Chancenverwertung seiner Mannschaft zu feilen. Außerdem hat die Schlussphase am Samstag gezeigt, dass auch die defensive Stabilität ausbaufähig ist. Gelingt es dem Trainerteam diese beiden Schwerpunkte zu verbessern, dann stehen die Chancen auf einen versöhnlichen Jahresabschluss gut.